carokrohn

Hypothetisch in eigener Sache – und das wirkliche Leben

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Meine Damen und Herren: Sie kennen das: Sie stellen fest, die Welt gehört verbessert und Ihnen fällt gelegentlich auf, wo sie dieses zuallererst tun sollte.

Wählen wir ein willkürliches Beispiel: Sie denken: „Wie günstig! So ziemlich jeder von uns hat heute Internet und ein großer Anteil von uns weiß sogar in etwa, wie es funktioniert. Wir sind innerhalb nur weniger Jahre zu Social Media Experten geworden und haben uns in verhältnismäßig wenigen Monaten sogar an die Vielfalt von Social Media Formaten gewöhnt. Wir finden das eine Mal nützlich, das nächste Mal cool; wir finden es toll, dass es meist mit vielen Menschen zu tun hat, mit denen man sich verbinden kann und das ganze ohne Umschweife und maximal spontan! Wir finden – wie die meisten anderen – Trolle auch blöd und Shitstorms sind etwas Gruseliges. Man sollte immer nett miteinander umgehen, ohne etwas an all den Vorteilen dieses nicht mehr so neuen Landes einbüßen zu müssen.

Es wäre doch einmal eine tolle Idee, genau hier die Welt zu verbessern und etwas zu erfinden, das Menschen jenseits veralteter Hierarchievorstellungen zusammenbringt und miteinander kommunizieren lässt und uns in Cases, die realer nicht sein können, üben zu lassen, wie wir das wertschätzend und konstruktiv tun! Vielleicht wären Politiker so ein Fall: Man fragt sich ständig „wie kann xy nur so etwas sagen?“ und „hat er/sie gestern nicht noch etwas ganz anderes gesagt?“ und schließt mit dem Gedanken: „wenn ich mir den nur greifen könnte, dem würde ich mal erzählen, wie ich das so sehe!“ und „der würde ich die Leviten lesen! Sie handelt schließlich in meinem Auftrag!“

Einen Moment: Dieses Beispiel ist vielleicht nicht abstrakt genug. Wer kennt denn Abgeordnetenwatch.de nicht? Lassen Sie uns wirklich einmal rein hypothetisch sein. Gesetzt den Fall, es ginge hier nicht um Abgeordnete, sondern, sagen wir: um Manager! Au ja! Das ist eine gute Idee: Also erfinden wir einmal etwas, das als digitale Plattform fungiert und die Funktion anbietet, dass Bürger wie Du und ich einfach mal so einem Top-Manager, den man sonst nur aus den Medien kennt, eine persönliche Frage stellt. Das ganze kann zudem einmal das allgemeine Bedürfnis befriedigen, einen Raum zu haben, in dem Leute sich nicht gegenseitig antrollen und wo man einfach mal sachlich und gleichzeitig öffentlich das eine oder andere Grundsatzthema behandeln kann.

Sollten Sie auf diese Idee kommen, könnte Ihnen – rein hypothetisch – folgendes passieren: Sie finden ein paar Dutzend Leute, die diese Idee prima finden und sagen „ich mache mit!“ [yay!]. Sie machen sich umfangreich Gedanken [hmmm], strukturieren sich [puh!], nehmen Verantwortung für einen Teilbereich auf [ojeoje], ringen miteinander – wertschätzend, wohlgemerkt! – um Lösungen [grrr]; Sie verzeichnen erste Erfolge: Die Plattform steht, ein wenig krumm noch, aber sie steht, echte Menschen fragen, echte Menschen antworten [aaah! Wahninn!]. Sie überlegen sich, wie Sie besser werden; neue kommen mit neuen Vorstellungen und Ideen, neuer Energie und neuem Fleiß dazu [Danke!!!]; neue Strukturen sollen die zunehmende Komplexität beherrschbar machen – der Server macht schlapp [oh shit!], Mails kommen nicht an [what??], Trolle treten auf [Moment, Moment!], Manager antworten auch mal nicht [aber wir waren so zuversichtlich!]. Immerzu kommen neue Fragen auf den Tisch: Das ruhige Fahrwasser, in dem wir das wachsende Schiff unbescholten hart steuerbord oder – je nach Gutdünken – auch mal hart backbord steuern zu können erhoffen, weicht einem immer stärker werdenden Wellengang an Kooperationsanfragen, Steuerauflagen, Ideenreichtum, Verteilungsfragen aller Art – und dem einen oder anderen Sonderfall, der ein Strukturproblem ausgerechnet durch einen frustrierten noch-Stakeholder zutage bringt.

Angenommen, Sie hätten diese Idee inmitten einer Tätigkeit, die Ihnen die Miete und das eine oder andere Brötchen finanziert – und Sie wären nicht der/die einzige; die anderen Überzeugungstäter haben das auch so. Theoretisch macht der Wellengang großen Spaß und die Versuchung, sich mit der gesamten Körperkraft in das Steuerrad zu werfen, ist irre groß. Nur mühsam und in Selbstmitleid jaulend widmen Sie sich widerstrebend Ihrem Tagesgeschäft und schauen zu, wie die Wellen erst brechen, wenn sie an Deck aufschlagen – und Sie hoffen darauf, dass die Errungenschaften mit einzelnen Turbulenzen nicht weggespült würden.

Tja. Dann hätten Sie ein bisschen eine Vorstellung davon, wie es uns von managerfragen.org manchmal geht J

Wir schauen auf ein wahnsinnig spannendes Jahr(e) zurück und merken, wie managerfragen.org langsam erwachsen wird. Wir zahlen einen Preis für unsere Entscheidung, dass der Raum, den wir Ihren Dialogen zur Verfügung stellen, ein wertschätzender und konstruktiver bleibt. Die Dinge gehen hier ein wenig langsamer, manchmal auch ein wenig umständlicher. Wenn wir ein neues Hindernis in seiner neuen Natur noch nicht erkennen, dann nehmen wir es mit bewährter Erfahrung, nur manchmal passt sie einfach nicht mehr. Dann machen wir neue Erfahrungen. Und freuen uns darüber. Und dafür danken wir Ihnen! Wir freuen uns schon sehr auf 2016 – einem Jahr, das jetzt schon vor Kampagnen, Kooperationen, Aktionen und schlicht vor vielen tollen Fragen und spannenden Antworten strotzt. Wir freuen uns über jede Beteiligung, jede Hilfe, jeden Hinweis und jede Idee! Die Idee ist und bleibt toll und verdient es, so groß zu werden, wie der Anspruch, der sie trägt!

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