Verantwortungspoker2
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Stakeholder-Dialoge: Die Karten auf den Tisch

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Was können CSR-Abteilungen von agilen Management-Ansätzen lernen? Wie können Unternehmen und Stakeholder auf Augenhöhe in den Austausch kommen? Und wie können dabei spielerisch und zügig die jeweiligen Sichtweisen auf gesellschaftliche Verantwortung explizit gemacht und wertschätzend diskutiert werden? Ein von Managerfragen neu entwickeltes Dialogformat bietet hierzu einen wirkungsvollen und innovativen Ansatz. Zusammen mit CSR-News laden wir Sie ein, mit uns um die Verantwortung zu pokern.

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Gesellschaftlichen Impact erhöhen

Die Art und Weise, wie wir Arbeit organisieren, wie wir Produkte und Dienstleistungen für und mit Kunden entwickeln, erfährt aktuell einen drastischen Wandel. Teilhabe, Augenhöhe, Kollaboration, Ko-Kreation, … Mitarbeiter wie Kunden fordern zunehmend stärker ein, sich einbringen und mitgestalten zu können. Für CSR-Abteilungen bietet diese Entwicklung völlig neue Möglichkeiten, im direkten Dialog mit Stakeholdern den gesellschaftlichen Impact der eigenen Arbeit zu erhöhen.

Entschloss sich ein Unternehmen dazu, über die Kommunikation seines gesellschaftlichen Engagements hinaus auch den direkten Austausch mit Stakeholdern zu suchen, so war die Bilanz bisher häufig ernüchternd. Dem hohen Aufwand und großen Hoffnungen folgen häufig zwei (eigentlich widersprüchliche) Enttäuschungen:

Den Teilnehmern von klassischen Stakeholder-Dialogen fällt es nicht leicht, den in unserer Gesellschaft eingeübten Rollen und klassischen Mustern der Aushandlungs- und Einflussmechanismen zu entkommen. Die Folge ist, dass sich der Dialog im Kreis dreht, wenn einseitige, pauschale Forderungen gestellt werden, wie beispielsweise „Die Wirtschaft muss mehr für die Umwelt machen!“. Ein gemeinsamer Erkenntnisgewinn im Sinne eines echten Dialogs ist so nicht möglich. Bekannt ist dieses Phänomen auch aus den einschlägigen TV-Polit-Talkshows.

Reale Interessensgegensätze werden gar nicht erst formuliert

Doch versucht man die Dialogformate zu „entschärfen“ und Konfrontation zu vermeiden, kann man schnell das gegenteilige Extrem erleben: Teilnehmer gehen dann in einem frühen Stadium der Diskussion mit der Meinung des Gegenübers konform, beispielsweise indem sie großes Verständnis für die Sachzwänge, denen Unternehmen oder Manager unterliegen, aufbringen. Erfahrungen zeigen, dass dies wesentlich häufiger passiert als die pauschale Konfrontation. Tritt eine solche Gemeinschaftsorientierung in einem Dialogprozess zu früh auf, dann werden reale Interessensgegensätze gar nicht erst formuliert. Es wird zwar eine angenehme Stimmung erzeugt, der gemeinsame Erkenntnisgewinn bleibt aber auch hier auf der Strecke und der Dialog bewegt sich nur an der Oberfläche.

Wie lassen sich also diese beiden Effekte vermeiden? Wie können Teilnehmer eines Stakeholder-Dialogs eindeutige Positionen beziehen, gleichzeitig aber offen und neugierig die jeweils andere Haltung erkunden? Eine spielerische Möglichkeit liefert das Format „Verantwortungspoker“, das die Dialogplattform managerfragen.org Anfang des Jahres für den Einsatz bei den renommierten Baden-Badener Unternehmergesprächen (BBUG) entwickelt hat. Pate für das Format stand das Delegationspoker von Jurgen Appelo (Management 3.0) – ein Management-Tool, mit dem Projektteams den Grad der Aufgabendelegation untereinander aushandeln können und dabei gemeinsam lernen, miteinander Übereinkünfte zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Dieses Grundprinzip lässt sich ideal auf gesamtgesellschaftliche Herausforderungen übertragen und damit auch für Stakeholder-Dialoge nutzbar machen.

BBUG_Poker

Abb. 1: Verantwortungspoker auf dem BBUG-Zukunftsdialog 2035

Die eigene Position klar definieren

Wie funktioniert Verantwortungspoker? Jeder Teilnehmer bekommt zuerst sieben Spielkarten, die auf einer Skala von 1-7 unterscheiden, ob eine gesellschaftliche Herausforderung maßgeblich in der Verantwortung der Wirtschaft/des konkreten Unternehmens liegt, oder ob die Verantwortung eher in der Zivilgesellschaft zu verorten ist. In jeder Spielrunde wird ein Thema behandelt, dabei entscheidet jeder Teilnehmer für sich im Verborgenen, welche Karte am besten seine Position widerspiegelt. Alle Spieler decken im Folgenden die ausgewählten Karten und damit ihre Position zum Thema zeitgleich auf. Dadurch sind die jeweiligen Positionen für alle klar ersichtlich und die Diskussion kann beginnen. Durch die Spielkarten und die vereinfachte Skala werden die Spielteilnehmer dazu ermutigt, die eigene Position sehr klar zu definieren. Das Durchdenken in Ruhe und unabhängig von anderen Meinungen hilft den Diskutanten, sich den eigenen impliziten, handlungsleitenden Theorien zu stellen und explizit in einer Position auszudrücken. Die Verantwortung für eine gesellschaftliche Herausforderung lässt sich dadurch nicht mehr so einfach der Gegenseite zuzuschieben.

Abb. 2: Die Skala des Verantwortungspokers

Abb. 2: Die Skala des Verantwortungspokers

Wie tief die Themen dann diskutiert werden, hängt wesentlich von der Zielsetzung des Veranstalters ab. So lassen sich aus einem Dialog, der zunächst mit einer spielerischen Leichtigkeit beginnt, für den Einzelnen, aber auch für die Runde insgesamt und den Veranstalter sehr konkrete Erkenntnisse gewinnen.

CSR-NEWS und managerfragen.org laden Sie ein zum Verantwortungspoker: Lernen Sie auf spielerische Weise, wie leicht und konstruktiv Stakeholder-Dialoge zu Erkenntnissen führen können. Je nach Interesse organisieren wir für Ihr Unternehmen Verantwortungs-Workshops oder implementieren das Verantwortungspoker in eines Ihrer Events. Zudem planen wir eine unternehmensübergreifende Veranstaltung, bei der wir Ihre CSR-NewsTeilnahme begrüßen würden. Ist Ihr Interesse geweckt? Dann setzten Sie sich bitte mit uns in Verbindung unter redaktion@csr-news.net.

Der Artikel erscheint zeitgleich im aktuellen CSR-Magazin (Ausgabe 2 / 2016 ∙ Heft 22). Dort findet sich auch eine ausführlichere Darstellung von beispielhaften Spielergebnissen zu konkreten gesellschaftlichen Themen.

 

 

Florian-Junge3Florian Junge ist Unternehmensberater und Dialogexperte und begleitet und berät Unternehmen in Veränderungsprozessen. Zugleich ist er Gründer und Vorstandsmitglied von managerfragen.org. e.V.

florian.junge@managerfragen.org

 

Autor:

Florian Junge, MF’O Bildungsformate …arbeitet für die Dialogexperten von Peters & Helbig in Berlin. Er ist Psychologe und Wirtschaftswissenschaftler und hat viel Erfahrung mit den Dialogbedarfen von Unternehmen und öffentlich-gemeinnützigen Einrichtungen. Bei managerfragen.org entwickelt Florian die Kultur des Onlinedialogs sowie neue Dialogstrukturen für On- und Offline- Bildungsformate.

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