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Verlorenes Vertrauen

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Die Ergebnisse des Edelman Trust Barometers zeigen, dass die Welt 2016 in eine Vertrauenskrise abgerutscht ist. Es könnte in den Händen der Wirtschaft liegen, zu verhindern, dass sich die Lage weiter verschlimmert. Wie Unternehmen sich das Vertrauen ihrer Stakeholder verdienen können.

Der Brexit, die Wahl Donald Trumps, die Enthüllungen der Panama Papers: Die meisten Ereignisse aus dem Jahr 2016, die in unserem kollektiven Gedächtnis verbleiben, haben einen bitteren Beigeschmack. Sie haben nicht dazu beigetragen, unser Vertrauen in der politisch-wirtschaftliche System zu stärken. So ist es nicht überraschend, dass auch die Ergebnisse des Edelman Trust Barometers, der weltgrößten Studie zum Thema Vertrauen in Institutionen, diese negative Stimmung widerspiegeln. Schon die Überschrift verheißt nichts Gutes: „Die Implosion des Vertrauens“. Das ist zugleich das Fazit der Studie, die ihre Daten aus Umfragen unter mehr als 33.000 Teilnehmern aus 28 Ländern bezieht.

Institutionen in der globalen Vertrauenskrise

Weltweit befinden sich inzwischen zwei Drittel aller Länder in der Kategorie der „Distruster“. Das bedeutet, dass in diesen Ländern weniger als die Hälfte der Bevölkerung Vertrauen in die Arbeit der Institutionen Regierung, Wirtschaft, Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hat. Im letzten Jahr waren nur etwas mehr als die Hälfte aller Länder Distruster – es hat also eine steile Abwärtsentwicklung stattgefunden.

In Deutschland glauben nur 39 Prozent der Bevölkerung, dass die genannten Institutionen das Richtige tun, 62 Prozent haben das Gefühl, dass das System sie im Stich lässt. Die Institution „Regierung“  schneidet in der Umfrage sowohl in Deutschland als auch global am schlechtesten ab, NGOs am besten. Auch die Medien erreichen keine sonderlich hohen Vertrauenswerte, und der Einfluss von Fake News und Filterblasen wird deutlich: Wenn eine Information nicht die Meinung des Befragten stützt, ist es viermal wahrscheinlicher, dass er ihr keinen Glauben schenken wird, so die Studie. Auch Autoritätspersonen und Experten verschiedener Fachgebiete werden inzwischen für weniger glaubwürdig gehalten als „eine Person wie man selbst“ oder Bekannte.

Gründe für den Vertrauensverlust

2016 war vor allem politisch gesehen ein Jahr, das das Grundvertrauen in öffentliche Institutionen wie in die Demokratie erschütterte: Der Brexit, die Wahl Donald Trumps, die von den Medien geschürte Angst vor Flüchtlingen und Einwandern sind zugleich Ursache wie auch Symptom von Unsicherheit und Vertrauensverlust. In vielen Ländern werden populistische und nationalistische Ansichten immer verbreiteter. So stimmen 69 Prozent der weltweit Befragten der Aussage zu, ein Land sollte seine eigenen Interessen über die aller anderen Länder stellen. Edelman selbst sieht die Langzeitfolgen der Wirtschaftskrise 2008 als Erklärung für die deprimierenden Resultate. Wirtschaftliche und soziale Ängste führen zum Vertrauensverlust in die Institutionen und zum Glauben, vom System im Stich gelassen zu werden, was wiederum anfälliger für weitere Ängste macht. Davon profitiert letztendlich vor allem der Populismus, wie in der folgenden Grafik veranschaulicht wird.

Ein Teufelskreis des Vertrauensverlustes. Quelle: http://www.edelman.com/global-results/

Ein Teufelskreis des Vertrauensverlustes. Quelle: http://www.edelman.com/global-results/

Die Wirtschaft als letzter Anker

Unternehmen halten sich dagegen sowohl in Deutschland als auch weltweit auf der Vertrauensskala besser als die Medien und die Regierung. Das Vertrauen in Unternehmen stieg im vergangenen Jahr in Deutschland um einen Prozentpunkt auf 43 Prozent, interessanterweise sank aber das Vertrauen in CEOs zugleich um 10 Prozentpunkte auf nur 28 Prozent, ein Allzeittief, das weit unter dem globalen Durchschnitt von 37 Prozent liegt. Geht es um Informationen über ein Unternehmen, so halten die Befragten Angestellte der Firma in allen Aspekten für glaubwürdiger als ihre Chefs. Zudem unterstützen viele Befragte strengere Regelungen für Unternehmen, beispielsweise in der Pharmaindustrie. Während Bildungseinrichtungen und der Einzelhandel in Deutschland als besonders vertrauenswürdig gelten, ist die Finanzbranche mit einem Vertrauenswert von 35 Prozent Schlusslicht. Die Automobilbranche hat sich nach der Krise im Jahr 2015 rehabilitiert, ihr Vertrauenswert stieg um sieben Prozentpunkte auf 48 Prozent.

Die Verantwortung der Unternehmen für eine bessere Vertrauenskultur

Quelle: http://www.edelman.com/global-results/

Quelle: http://www.edelman.com/global-results/

Ein weiterer Grund für die vorherrschende Unsicherheit und das Misstrauen gegenüber dem System ist die Angst vieler Bürger, ihre Arbeit zu verlieren. 60 Prozent der weltweit Befragten fürchten den Jobverlust – sei es wegen mangelnder Fähigkeiten, der zunehmenden Robotisierung, der Immigration oder der Abwanderung von Unternehmen in Niedriglohnländer. Edelman sieht die Wirtschaft als die letzte Stütze des Vertrauens, das die Regierungsbehörden offensichtlich schon verloren haben. Damit geht eine enorme Verantwortung der Wirtschaft einher, nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren und damit die Vertrauenskrise und die politische Lage noch zu verschlimmern.

Quelle: http://www.edelman.com/global-results/

Quelle: http://www.edelman.com/global-results/

Glücklicherweise enthält die Umfrage eine klare Anleitung, wie Unternehmen das Vertrauen der Bevölkerung halten können: Keine Bestechung, keine zu drastischen Gehaltsunterschiede zwischen den Angestellten, angemessene Steuern zahlen, die Preise für Grundlebensmittel nicht zu hoch setzen, qualitativ hochwertige Produkte verkaufen, nach ethischen Prinzipien handeln – und vor allem ihre Angestellten gut behandeln. Die nebenstehenden Grafiken stellen diese Punkte noch genauer dar. Drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass es für ein Unternehmen möglich ist, ihren Gewinn zu steigern und trotzdem die wirtschaftlichen und sozialen Umstände ihrer Stakeholder zu verbessern. Das sollte eine klare Aufforderung an Firmen sein, nicht nur die Profitmaximierung in ihrer Agenda zu berücksichtigen, sondern auch die Interessen derer, auf die sie Einfluss haben.

Wie gehen CEOs mit dem Vertrauensverlust der Bürger um? Was unternehmen einzelne Firmen, damit ihre Stakeholder das Vertrauen in sie behalten? Befragen Sie jetzt einen Manager Ihrer Wahl zum Thema .

Autor:

Josephine Valeske studiert Philosophy and Economics (B.A.) in Bayreuth. Sie ist seit 2015 Mitglied der MF´O-Redaktion und beschäftigt sich unter Anderem mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit.

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