Die Autonomie der Unternehmen

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Der Autonomiebegriff erlangt in letzter Zeit in der Wirtschaft eine prominentere Rolle – ob in Form von agilen Organisationsformen in Unternehmen oder durch das Versprechen einer maximalen Entscheidungsfreiheit bei Produkten, ob bei stärkerer Regulierung oder Deregulierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Würden Sie sich als autonom bezeichnen? Und wenn ja, in Ihrer Rolle als was? Als Kunde? Konsument? Arbeitnehmer oder -geber? Unternehmensleiter? Und, viel wichtiger: Fühlen Sie sich autonom genug? Wünschen Sie sich mehr oder weniger Autonomie für sich selbst? Und für andere?

Fragen wie diese und ähnliche beschäftigten die Teilnehmer der diesjährigen Bayreuther Dialoge, einer Veranstaltung im Schnittpunkt zwischen Philosophie und Wirtschaft, auf der auch managerfragen.org mit einem Stand vertreten war. Passend zum Thema führten wir eine Umfrage zum Thema „Autonomie der Unternehmen“ durch. Die folgenden drei Fragen stellten wir den Teilnehmern – und nun Ihnen:

Wer sollte Finanzspekulation regulieren?

Jedes Unternehmen sollte sich selbst Grenzen setzen.
2 Vote
Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sollten gemeinsam Regeln festlegen.
5 Vote
Allein die Gesellschaft/Politik sollte für die Regulierung zuständig sein.
7 Vote

 

Wer sollte über eine Frauenquote in Chefetagen entscheiden?

Jedes Unternehmen sollte selbst darüber entscheiden, ob es eine Frauenquote einführt oder nicht.
1 Vote
Die Entscheidung sollte im Konsens zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft fallen.
5 Vote
Die Politik/Gesellschaft allein sollte eine Grundsatzentscheidung zum Thema treffen.
8 Vote

 

Wer sollte in einem Unternehmen über die Bezahlung der Angestellten entscheiden?

Die Unternehmensleitung allein sollte Gehaltsentscheidungen treffen.
2 Vote
Unternehmensleitung und Angestellte sollten im Konsens über Gehälter entscheiden.
7 Vote
Die Angestellten sollten selbst ihr Gehalt bestimmen dürfen.
4 Vote

 

Die Antworten der etwa 40 während der Veranstaltung befragten Teilnehmer verdeutlichten das breite Spektrum an Meinungen zu den durchaus kontrovers diskutierten Themen. Die größte Übereinstimmung zeigt sich in der Frage zur Regulierung von Finanzspekulation: So trauen die meisten Teilnehmer der Umfrage den Unternehmen nicht zu, sich selbst Grenzen im Spekulieren zu setzen, sondern wünschen sich strengere Gesetze aus der Politik. In den Diskussionen über diese Frage kam immer wieder das Thema Nahrungsmittelspekulation auf (mehr Infos hier). Ein Angestellter der GLS-Bank wies darauf hin, dass Banken durchaus in der Lage seien, ihre Spekulationsgeschäfte

Umfrageergebnis der Bayreuther Dialoge, Samstag

Eien klare Ansage: Umfrageergebnis der Bayreuther Dialoge, Samstag

selbst zu regulieren, doch Druck aus der Politik könnte diesen Prozess eindeutig beschleunigen.

Wollen Sie wissen, wie die GLS-Bank trotz ihres Verzichts auf viele Arten der Finanzspekulation Gewinne macht? Oder wie es dazu kam, dass sie sich für eine ethisch korrekte Arbeitsweise entschieden hat? Starten Sie einen Dialog mit Aysel Osmanoglu (Vorstandmitglied der GLS-Bank) auf managerfragen.org. Oder fragen Sie Manager anderer Banken, warum sie nicht diesem Beispiel folgen…

 

Obgleich beim Thema Finanzspekulation die Mehrheit der Befragten nach verstärkter Regulierung von Seiten des Gesetzgebers verlangt, ist bei anderen Themen die Diskussion weitaus kontroverser. Die Frage nach der Frauenquote in Führungsetagen zum Beispiel führte zu leidenschaftlichen Debatten. Obwohl unsere Umfrage sich zunächst einmal nur auf die Allokation der Entscheidungsmacht bezog, zeigte sich in den Gesprächen, dass dieses Thema ein sehr brisantes ist. Letztendlich vertrat dann nur eine

Umfrageergebnis der Bayreuther Dialoge, Samstag

Aufspaltung in zwei Lager: Umfrageergebnis der Bayreuther Dialoge, Samstag

Minderheit die Position, dass nur jedes Unternehmen für sich entscheiden solle, ob überhaupt genügend Frauen für die Vorstandsarbeit geeignet seien und somit eine Quote erfüllbar sei. Die Mehrheit erachtete eine Grundsatzentscheidung der Gesellschaft/Politik unter Einbezug der Unternehmen für sinnvoll.

Burkhard Schwenker, Aufsichtsratsvorsitzender von Roland Berger Strategy Consultants, ist prominenter Befürworter der Frauenquote. Fragen Sie Ihn auf managerfragen.org, warum er sich dafür einsetzt.

 

Die dritte Frage beschäftigt sich nicht mit dem Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik, sondern mit dem zwischen Unternehmensleitung und Angestellten, konkret in der Frage der Gehaltsfindung. Wie wir berichteten, ist es gar keine weit hergeholte Idee, die Mitarbeiter selbst über ihr Gehalt entscheiden zu lassen, sondern längst Praxis einiger Unternehmen. Den Mitarbeitern allein wollte jedoch nur einer der 40 Befragten die Entscheidung über die Gehälter überlassen. Die Mehrheit stimmte für einen Konsens mit der

Umfrageergebnis der Bayreuther Dialoge, Samstag

Deutlicher Trend zum Konsens: Umfrageergebnis der Bayreuther Dialoge, Samstag

Unternehmensleitung. Immer wieder wurde die Befürchtung geäußert, dass die Mitarbeiter im Falle zu großer Entscheidungsgewalt mehr Gehalt verlangen würden, als sich das Unternehmen auf Dauer leisten kann. Doch wie sieht es in der Realität aus?

Sprechen Sie über managerfragen.org mit Julian Vester, Geschäftsführer der Hamburger Digitalagentur elbdudler, in der Mitarbeiter selbst über ihr Gehalt entscheiden können. Oder mit Jörg Hauer, dem Betriebsleiter des Hotels Schindlerhof, das auf das gleiche Konzept setzt.

Der Stand von managerfragen.org wurde also an den beiden Tagen der Bayreuther Dialoge zum Mittelpunkt engagierter und mitunter leidenschaftlicher Diskussionen. Es wurde wieder einmal deutlich, wie groß der Gesprächsbedarf vieler Menschen zu diesen Themen ist, egal, in welcher Rolle sie am Dialog teilnahmen. Wir möchten Sie daher herzlich einladen, mit den oben genannten oder anderen Managern über die bereits angesprochenen Aspekte der Autonomie zu diskutieren. Bringen Sie sich ein!

 

Autor:

Josephine Valeske studiert Philosophy and Economics (B.A.) in Bayreuth. Sie ist seit 2015 Mitglied der MF´O-Redaktion und beschäftigt sich unter Anderem mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit.

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